JAPAN日本 – IM LAND DER AUFGEHENDEN SONNE 14.10. – 01.11.2019

  1. 14.10.– 19.10. Tokio 東京   EDU SAKURA

15.10. In Japan geht nichts verloren

Dieses Jahr haben wir uns Japan als großes Reiseziel vorgenommen und wollen in Tokio starten . Tokio bildet mit über 37 Millionen Einwohnern die größte Metropolregion der Welt. Der Name Tokio bedeutet östliche Hauptstadt. Wir sind gespannt.

Kurz vor unserem Abflugstermin nach Tokio erreichen uns die Taifun-Warnungen für Japan und insbesondere Tokio. Kann es überhaupt losgehen? Aber am Montag ist der Taifun weitergezogen. Wir landen pünktlich am Dienstag um 12.05 Uhr auf dem Flughafen Haneda – dem 5. größten Flughafen der Welt – Einreise und Gepäck funktionieren schnell und unproblematisch. Hinter der Zollkontrolle werden wir von Hilde, Alex Frau, schon in Empfang genommen. Mit den schon besorgten SUICA-Karten, welche auch als Zahlungsmittel in vielen Geschäften verwendet werden können, geht es los in das gewaltige Metrosystem Tokios. Die Karten sind sehr praktisch, da man sich nicht um den Fahrpreis kümmern muss, denn dieser wird einfach von der aufladbaren Karte abgebucht, wenn man damit durch die Fahrkartenkontrolle geht. Wir sind direkt beeindruckt wie diszipliniert es zu der Rushhour auf den Bahnsteigen der Keikyu und Yamamote Line zugeht.

In Japan geht nichts verloren

Kurz vor der Ankunft am Hotel stellt Andreas fest, dass er den Rucksack in der Keikyu Line liegengelassen hat!!! In dem Rucksack befindet so ziemlich alles was wichtig ist – einschließlich unserer Pässe. Während uns das Herz in die Hose rutscht reagiert Hilde relativ gelassen mit dem Spruch, wenn wir den wiederbekommen, dann hier in Japan, denn hier geht normalerweise nichts verloren. Wir bleiben skeptisch.

Im Hotel werden wir freundlich und mit sehr gutem Englisch empfangen – eine große Ausnahme wie wir später feststellen.  Auf unserer Anliegen nach dem Rucksack zu forschen, reagiert auch sie total gelassen, greift zum Hörer und nach vielen „Hai“s und „Sososo“s erklärt sie uns, dass der Rucksack tatsächlich gefunden und an der Station Mita im Lost und Fund abgeholt werden kann. Wahnsinn, das hätten wir nicht geglaubt. Können diese Grundehrlichkeit und Sorgfalt, aber später in Myajima als ich meine SUICA Karte in der Toilette liegen lasse oder am Flughafen in Osaka, wo ich das Handy bei der Sicherheitskontrolle vergesse, erneut feststellen.

Leider müssen wir dadurch Hildes schönen perfekten Plan durcheinanderbringen und erstmal den Rucksack einsammeln, bevor wir uns in Ginza mit koreanischem Bibimbap und Pork Belly etwas stärken können.

Ginza ist ein modernes Viertel mit vielen bekannten Geschäften und großen Kaufhäusern. Ein Highlight im wahrsten Sinne des Wortes ist das Ginza Six Gebäude an der Tokyo Plaza. Es hat ganz oben im 14. Stock eine phantastisch begrünte Terrasse und sogar einen Pool, in dem sich die Geschäftsleute in den heißen Sommertagen beim Essen die Füße kühlen.

Am Abend treffen wir Alex und schlendern gemeinsam durch die kleinen Gässchen in Ginza mit unzähligen Restaurants aller Nationen. In einem sehr rustikalen japanischen Restaurant bleiben wir schließlich hängen – es gibt Huhn, Schwein und Fisch in vielen Variationen – alles lecker.

Der letzte Höhepunkt des langen Tages ist eine Fahrt mit der Yorikamone Line, die uns besser als jede Stadtrundfahrt eine tolle Sicht auf die Bucht von Tokio bei Nacht bietet.

Trotz Hildes Sorge finden wir uns problemlos in den Metrolinien zurecht und zurück ins Hotel.

16.10. Glücksbringer und Tempelriten

Wir starten mit einem japanischen Frühstück: Miso Suppe, japanische Pilze, Gemüse und Reiskuchen, Lachs, Reis und Tofu – gewöhnungs-bedürftig, aber sehr lecker. Selbst den Lachs schaffen wir, mit den Stäbchen elegant zu zerlegen.

Glücksbringer und Tempelriten

Wir haben heute ein strammes Programm. Erst geht es ins bunte Einkaufsviertel Sugamo. Aber anders als sonst auf den angesagten Einkaufs- und Vergnügungsmeilen sind die Käufer meist grauhaarig und nicht selten mit Stöcken unterwegs. Da die japanische Bevölkerung im Durchschnitt immer älter wird (jeder fünfte der 127 Millionen Einwohner ist 65 Jahre oder älter), haben sich Händler in diesem nördlichen Bezirk auf die Interessen und Bedürfnisse von Senioren eingerichtet.

Besonderer Anziehungsgrund sind die glücksbringenden roten Unterhosen, die zuhauf angeboten werden und der Glück und Heilung bringende Koganji Tempel, der sich zwischen die vielen Läden und Stände einfügt. Für ihr Glück waschen die dafür in langer Schlange wartenden Heilsuchenden die Buddahstatue mit einem Tüchlein und halten sich dieses anschließend auf die zu heilende Stelle ihres Körpers.

Immer wieder fällt uns auf, dass bei der uns hier begegneten Religion, Glaube und Kommerz sehr eng beieinander sind. Die verbreiteste Religion in Japan ist der Shintoismus gefolgt vom Buddhismus. Für uns ist es nur schwer auseinanderzuhalten. Beide sind für uns sehr weltliche Religionen mit vielen uns fremd erscheinenden Riten und Gebräuchen. In jedem Tempel gibt es Verkaufsstände für Räucherstäbchen, Papierblumen, Talismane oder andere glücks- und heilbringende Dinge. Man wirft Geld in die großen Spendenboxen, bevor man die segenspende Glocke läuten darf oder den Segensspruch aus dem sechseckigen Gebetswürfel schütteln darf. Es wird aber auch gern getanzt und gefeiert und immer wieder treffen wir auf Zeremonien in den Tempeln, mit vielen Gläubigen, wie auch später die Tempelwagen Prozession oder in Kobe das Shichi-Go-San Fest für Kinder.

Weiter geht es zum Hauptbahnhof Tokios. Ein beeindruckendes neobarockes Gebäude, 1914 fertiggestellt, im zweiten Weltkrieg zerstört, aber seit 2012 wieder vollständig wiederhergestellt.  Aus einem der modernen Gebäude gegenüber haben wir einen großartigen Blick darauf. Edle Geschäfte, Supermärkte und unendlich viele Restaurants mit lecker duftenden Köstlichkeiten befinden sich auf den Etagen. Da läuft uns das Wasser im Mund zusammen.

Wie gut dass wir uns gleich mit Alex in der Tofuya Ukai zum traditionellen japanischen Essen treffen. In dem am Fuße des Tokyo Towers gelegenen Restaurants fühlt man sich 200 Jahre zurückversetzt.

Nach der grandiosen Erfahrung des 7-gängigen Menüs (auch mit Tofu) bummeln wir noch durch den wunderschön angelegten japanischen Garten und bewundern die Koi-Karpfen, bevor wir weiter in das Business Distrikt Shinagawa fahren, um einen Blick auf das Microsoft Office zu werfen. Eine schicke Gegend.

Genauso schick wie das neuere Hafenviertel in der Nähe der Nachbarschaft, in der Hilde und Alex wohnen, findet eine Tempelwagen-Prozession statt. In einem Zug mit Musik und Tanz ziehen verschiedene Gruppen, mit bunten Papierblumengirlanden geschmückten Wagen und Buddah-Schreinen, bis zum Festplatz vor dem Tempel. Dort werden Spenden überreicht, für die man im Gegenzug eine Flasche Sake und einen Segen erhält. Ein  Spannendes Spektakel.

Wir beschließen den Tag mit einem kleinen Snack in einem urigen Restaurant – gut, dass Hilde uns die Speisekarte übersetzen kann.

17.10. The Electic Town

Treffpunkt 10 Uhr am Bahnhof Uguisudani, nur ein paar Schritte von unserem Hotel entfernt.

The Electic Town

Für Tokioer Verhältnisse viel zu früh, wie wir bei unserer ersten Station Akihabara (oder auch The electric Town genannt) feststellen. Die Straßen zwischen den unzähligen Elektronik Geschäften sind noch leer. Aber dennoch tönt aus allen Ecken bereits Musik, Werbesprüche und Ratschläge für die Käufer. Es gibt bunte, blinkende Kabel für jeden Zweck. Andreas ist besonders fasziniert von den Nintendos und Segas, die dort angeboten werden. Dazwischen immer wieder Pachinkos, und Läden in denen man auf mehreren Etagen, die bei uns von der Kirmes oder bekannten Automatensiele, spielen oder sich in Fotokabinen verschönern kann.

Erst als wir später noch einmal zurückkehren, erleben wir die volle Wirkung der unzähligen Leuchtreklamen. Jetzt sind auch viele der für die Gegend bekannten Mangamädchen unterwegs und da es leider in Strömen regnet, probieren wir eines der sogenannten Crosplay Cafes mal aus. Es ist eine Mischung aus Restaurant und Show, eine Stunde muss man bezahlen, dafür gibt es Drinks und lustig angerichtete Snacks, dazu singen die Mädels immer wieder auf der Bühne.

Weiter geht es nach Ameyoko, ein bunter Straßenmarkt unter den Brücken der Station Ueno, der in der Nachkriegszeit ein wichtiger Schwarzmarkt war. Hier wird tatsächlich alles lautstark angeboten. Dazwischen mal wieder ein kleiner Tempel und zum Glück auch wieder jede Menge Restaurants. In Tokio gibt es offiziell mehr als 250 000 registrierte Restaurants. Heute probieren wir eins aus, dass die typischen Spieße anbietet, die immer frisch zubereitet gegrillt werden. Es gibt sie in allen Variationen, z.B. Hühnerleber, -herz, – flügel, – haut mit Lauch oder Ingwer.

Tokios ältester und bedeutendster Tempel Sensō-ji steht im Stadtteil Taito, seine Geschichte reicht bis ins Jahr 628 zurück. Darin wird der Asakusa Schrein verehrt. Rund um den Tempel herum befinden sich überdachte Einkaufspassagen, in denen man so ziemlich alles in nett aufgemachten kleinen Shops und Läden kaufen kann. Der Tempel ist beeindruckend mit seinem großen Haupttor, an dem nicht nur ein riesiger Lampion hängt (der vom Gründer von Panasonic beim Wiederaufbau gespendet wurde) sondern auch eine Büßersandale, die die starke Kraft der Schutzgötter symbolisiert.

Am Tor des Tempels hängt ein weiterer noch größerer Lampion – 4m lang mit einem Gewicht von über einer Tonne! Zu dieser späten Stunde sind nicht mehr viele Touristen auf dem Tempelgelände, so dass wir uns sogar in Ruhe noch ein wenig Glück erschütteln können.

Mit dem Sky Tree, dem neuen 623 Meter hohen Fernsehturm, im Rücken laufen wir ins Hotel zurück. In den kleinen Gassen, mit noch vielen alten Häusern gibt es auch viele schicke und auch sehr teure Restaurants aber ohne die bebilderten Menükarten und oft mit schwarzen Limousinen vor der Tür. Kein Wunder, dass wir hier eines der besten Restaurants unserer Reise finden, in dem wir unser Wagyue Fleisch selbst grillen können.

18.10. Eine Melodie für jeden Bahnhof

Inzwischen kennen wir uns gut mit dem Fahrplan aus und haben eine schnelle Route zum neuen Tokioer Fischmarkt ausfindig gemacht.

Eine Melodie für jeden Bahnhof

Wenn man sich etwas mit dem Subway Plan beschäftigt hat und die unterschiedlichen Linien kennt, findet man sich ganz gut zurecht. Die Beschilderung an den Bahnhöfen zeigt immer die vorherige und die nächste Station an, so dass man schnell die Richtige Richtung herausfindet. Bunte Markierungen auf dem Bahnsteig zeigen an, wo man sich anstellen muss, damit der richtige Zug genau vor einem seine Türen öffnet.  Als weitere Orientierung wird bei Ankunft eines Zuges an jedem Bahnhof eine spezielle Melodie gespielt. Das ist für viele Tokioer sicherlich sehr hilfreich, da die Japaner schlafen wo sie gehen und stehen (nicht nur in der U-Bahn sondern auch in Bars, Kaufhaus Sesseln oder Parkbänken)

So erreichen wir zielgerichtet den neuen Fischmarkt, der erst letzten Oktober eröffnet hat. Drei riesige Markthallen erstrecken sich auf einem großen Gelände. Allein die Halle für die Thunfischauktion (die für uns zu früh – schon um 5 Uhr startet) ist so groß wie mehrere Fußballfelder. Leider können Touristen nur noch über eine Galerie in die Hallen schauen. Das Sushi zum Lunch ist dafür mega!

Mit der schon am ersten Abend genossenen Sightseeing Linie fahren wir weiter zur Shibuya Crossing der angeblich belebtesten Kreuzung der Welt. Diszipliniert stehen bei rot die Mengen am Straßenrand, während bei grün alle gleichzeitig in alle Richtungen über die Kreuzung wuseln. Von oben sieht dies besonders beeindruckend aus.

Ein weiteres interessantes Viertel ist Shinjuku. Der dortige Bahnhof ist mit über drei Millionen Passagieren pro Tag (!) einer der verkehrsreichsten der Welt. Er hat über 250 Ein und Ausgänge, es sollen schon Menschen darin verloren gegangen sein. Dominiert wird das Viertel vom neuen Rathaus oder Metropolitan Government Building, das uns baulich allerdings nicht besonders gefällt. Alex zeigt uns später im im Building 60 des Gebäudekomplex Sunshine City  sein Tokio von oben. Auch wenn es bedeckt ist, ist der Blick fantastisch. Wie alles in Japan ist auch dieser View mit einer Show, dem Sky Circus, drum herum verbunden. Man kann sein schönstes Foto mit allerlei verschiedenen Szenen und Schnickischnacki versehen.

Gleich an Shinjuku grenzt Okubo das koreanische Viertel Tokios, in dem wir natürlich die typische koreanische Küche, etwas schärfer als die japanische, genießen. Andere gehen zum Essen in die schicke Brauerei Yona Yona, das uns Alex für einen letzten Drink aussucht. Am Nachbartisch bestellen sich zwei Anzugträger eine Würstchen Selektion (es gibt sie in 20 verschiedenen Geschmacksrichtungen z.B. aus Rind oder Schweinefleisch, mit Basilikum oder Wasabi, …). Spannend ist allerdings, dass der Kellner ihnen die Würstchen am Tisch kleinschneidet, damit die Herren sie mit ihren Stäbchen essen können.

19.10. Kabuki Theater

Heute haben wir uns mit Alex und Hilde nochmal in Shinjuku verabredet, aber diesmal geht es in ihre grüne Oase, den kaiserlichen Park Shinjuku Gyoen.

Anschließend zeigen sie uns im Kaufhaus ihre Lieblingsabteilungen mit den japanischen Spezialitäten. Wunderschön verpackte Süßigkeiten, fein angerichtete Leckereien, Fisch und Fleisch in allen Variationen aus aller Welt auch von Käfer aus München. Am meisten beeindrucken uns die Melonen für 200  und die Pilze für über 300€!

Der Streifzug durch die Lebensmittelabteilung des Kaufhauses hat uns hungrig gemacht. In einem kleinen Restaurant im traditionellen japanischen Stil gibt es in einem Separee (natürlich ohne Schuhe) ein landestypisches Mittagsmenü, dass aus Tee, Misosuppe und entweder Fisch oder Fleisch mit verschiedenen Gemüsen besteht. Man beachte die Schere, die dazu dient, das Fleisch kleinzuschneiden.

Höhepunkt des Tages und auch mit des ganzen Tokio Aufenthalts ist eine Vorstellung im Kabuki Theater. Man bucht einzelne Akte, das gesamt Stück würde auch fast acht Stunden dauern, denen zu folgen bei unseren mangelnden Sprachkenntnissen doch etwas schwierig ist. Die dargebotene Schwertkampfkunst kann man schon eher ohne japanisch Kenntnisse bewundern.

Zum Abschluss unseres Tokio Trips gibt es noch eine weitere japanische Spezialität Shabu-Shabu: ein Brühfondue, bei dem hauchdünn aufgeschnittenes Fleisch, Gemüse und Nudeln am Tisch in einem großen Topf Brühe gegart werden. Der Name rührt von dem Geräusch her, der beim Garen im Topf entsteht. Zum Entsetzen der netten Bedienung essen wir das Wagyu Fleisch lieber roh.

Bevor wir uns von Tokio verabschieden, nehmen wir gemeinsam mit vielen Rugby Fans, die zur Weltmeisterschaft in der Stadt sind, im hippen Viertel Roppongi noch ein letztes Bier.

20.10. – 21.10. Kyoto   CITADINES KYOTO KARASUMA-GOJO.

20.10. Mit dem Zug unterwegs

Früh geht es zum Tokio Bahnhof, um mit dem Shinkansen Hikari weiter nach Kyoto zu fahren. Kyoto, ist die ehemalige kaiserliche Residenz, auch eine Millionenstadt im Südwesten von Tokio gelegen.

Mit dem Zug unterwegs

Unsere weitere Reise in den Süden von Tokio ist geprägt von sekundengenauen Hochgeschwindigkeitszügen, sich verbeugenden Bahnbeamten und den klangvollen Ansagen zu jeder Station.

So ist auch die 2 ½ stündige Fahrt nach Kyoto auch sehr relaxed. Die sehr bequemen Sitze bieten mit viel Beinfreiheit, Steckdosen und Fußstützen alles was man braucht. Getränke und Snacks werden unterwegs auch angeboten. Die Fahrt startet und endet für uns Deutsche ganz ungewohnt super pünktlich.

Unser Hotel finden wir dank der Japan Map recht schnell. Es liegt fußläufig zum Markt, der sich unter überdachten Gallerien einen ganzen Straßenzug entlang zieht. In Kyoto sind gefühlt viel mehr Touristen unterwegs, die sich mit uns durch die Gänge an den Verkaufsständen entlang schlängeln. Überall wird leckeres angeboten und wir bekommen langsam Hunger. Wieder haben wir die Qual der Wahl und landen schließlich vor einer sensationellen Tuna Bowl mit Oktopus Carpacchio und Miso Suppe.

Am Ende des Marktes geht es über den Fluss in das alte Kyoto. Wenn wir bisher von dem Stadtbild in Kyoto schon angenehm überrascht waren, so machen die kleinen schmalen Gassen mit rechts und links den alten Holzhäusern, das Bild von traditionellen Kyoto vollkommen. 

Am Fuße des Berges können wir uns den berühmten Tempeln nicht erwehren. Es gibt mehr als 2000 davon in Kyoto, einer prächtiger als der andere. Der Yasaka-jina Shrine mit seinen grell orangen Toren und Dächern, die mit den bunten Kimonos vieler japanischer Frauen um die wette leuchten, ist besonders imposant.

Die Kimonos kann man sich für 2000 Yen leihen, was von vielen Japanern hier gern gemacht wird. So sieht man in der Stadt, die auch für die Geishas berühmt ist, immer wieder die traditionellen Gewänder

Vorbei am Higashi-Otaui Mausoleum, das etwas höher wunderschön am Berg liegt und uns am besten gefällt, geht es mit dem Blick auf den riesigen Buddah und dem Ent oku in Tempel, zur absoluten Touristen Attraktion dem Kiyomizurdera Tempel. Dicht an dicht drängen sich die Touristen die von Shops und Restaurants gesäumten Gässchen zum Tempel hinauf. So viel Menschen hatten wir nicht erwartet. Auf dem Rückweg ist das alte Viertel wie ausgestorben, die Shops und viele Restaurants haben geschlossen.

Das ändert sich sofort, als wir auf der anderen Flussseite wieder in die Geschäftsviertel eintauchen . Direkt am Fluss drängen sich Bars, Restaurants, Live Musik und es sind wieder viele Leute unterwegs. Wie schlendern gemütlich durch das bunte Treiben, lauschen der Jazzmusik oder spicken in den Bars auf den Stand des laufenden Rugby Spiels

Kyoto hat unbestritten Charm. Es ist zwar nur 1/10-tel von Tokyo aber auch 10 mal relaxter, mit vielen unterschiedlichen Vierteln und viel Grün. Der Misosuppe und Sojasoße etwas überdrüssig, wählen wir heute zur Abwechslung mal ein indisches Restaurant,

Die elektrischen Toiletten

In Japan  haben sich seit den 80er Jahren die High-Tech-Toiletten, sogenannte Wahlets, überall verbreitet. Man findet sie heute in fast allen öffentlichen Toiletten und den kleinsten Restaurants. Auch unser Bad hat eine elektrische Toilette, endlich können wir sie mal ausprobieren …

21.10. Stärkung aus dem Automaten

Ausgeschlafen starten wir in den Tag. Es gibt viel zu besichtigen, solange es trocken bleibt. Taifunausläufer sollen am Nachmittag Wind und Regen bringen.

Erste Station ist der Nishi Hongan-ji Tempel direkt auf dem Weg vom Hotel zum großen auch noch recht neuen Bahnhof. Von dort wollen wir zum Fushimi Inari-Taisha Schrein fahren. Der Zug ist vollgestopft und tatsächlich steigen gefühlt alle in Iniri aus, um den Tempelberg zu besteigen.

Berühmt ist der Shinto-Schrein für seine mehr als 1000 roten Tore die den Weg bergauf bis zum Gipfel überspannen. Gespendet von Privatleuten und Firmen sollen sie Glück und Erfolg bringen. Um den Massen ein wenig auszuweichen, biegen wir auf einen schmalen Wanderpfad ab und gelangen allein in völliger Einsamkeit auf den Gipfel. Dort finden wir uns im Touristengetümmel wieder. Dennoch ist der Rückweg, vorbei an vielen weiteren Grab- und Gebetsstätten durch die schier endlosen roten Tore, beeindruckend.

Später als gedacht steigen wir wieder in den Zug nach Kyoto und weiter mit der U-Bahn zum Schloß Nijo-jo.

Stärkung aus dem Automaten

Unseren heutigen Lunch, den wir am Automaten bestellt haben, möchte ich zum Anlass nehmen, über unsere fantastischen kulinarischen Erlebnisse zu berichten. Die japanische Küche hat uns nicht nur mit ihrer Frische und Vielfalt beeindruckt, sondern auch mit der Freundlichkeit und dem Einfallsreichtum rund um das Essen. Besonders fasziniert waren wir neben den Bestellautomaten von den sogenannten Food Models (sampuru) – zum Reinbeißen echt aussehende Nachbildungen von Sushi, Nudeln, Suppen oder Eiscreme aus Plastik – in zahlreichen Restaurants.

Diese Praxis, die schon 1917 eingeführt wurde, ist weniger eine noble Geste, sondern mehr eine Notwendigkeit, weil meisten Restaurants nur Speisekarten in Japanisch haben. Heute gibt es eine eigene Industrie dafür der bekannteste Hersteller: Iwasaki-bei

Nijo-jo ist ein Shogun Palast. Das Schloss Nijo-jo hat einige der wichtigsten Ereignisse der japanischen Geschichte in den 400 Jahren seit seiner Errichtung miterlebt. 1804 wurde das Schloss Kaiserresidenz. Im Inneren des Palastes befinden sich über 3600 Wandmalereien. Diese sind  fantastisch restauriert und bestechen  besonders durch die in leuchtenden Farben dargestellten Szenen mit vielen Details.

Leider holt uns dann doch der Regen ein, sonst hätte man auch noch stundenlang in den schönen Gärten und Parkanlagen des Schlossen spazieren gehen können.

So fahren wir zurück in das Einkaufsviertel, Die rechts und links überdachten Gehwege laden auch bei Regen zum Shoppen ein. So kommen wir auch zu einem original japanischen Messer. Den Abschluss bildet heute ein weiteres Must in Japan: Ein Sake Tasting

22.10. Kurashiki                    Ivy Square

22.10. Thronbesteigung

Heute ist ein besonderer Tag, nicht nur weil die Sonne scheint, sondern auch weil der neue japanische Kaiser heute den Thron besteigt.

Weiter geht es auf unserer Reise in Richtung Süden heute nach Kurashiki. Der Name bedeutet so viel wie „Dorf aus Lagerhäusern“. Es sind noch Dutzende von Bauten erhalten, die aufgrund ihrer typischen Fassaden ein Wahrzeichen der Stadt darstellen.

Die Stadt ist wie eine Filmkulisse. Eine wunderschöne Szenerie bietet sich schon auf dem Weg ins Hotel mit den links und rechts von einem schmalen Kanal liegenden alten Holzhäusern. Diese ziehen sich bis zum Ivy Square hin. Der Ivy Square ist die umgebaute Baumwollfabrik Kurabo, in der heute Läden, Restaurants und auch unser Hotel untergebracht sind. Die alte Spinnerei war entscheidend für die Entwicklung der Stadt und bis heute werden bei Kurabo, jetzt außerhalb der Stadt angesiedelt, noch u.a. Jeans hergestellt. Das Hotel in den alten historischen Räumlichkeiten ist sehr charmant, aber das Zimmer ist sehr winzig, auch wenn es alles bietet was man braucht, inkl. dem obligatorischen Pyjama.

Bevor wir uns ins Getümmel der kleinen Sträßchen voller Touristen stürzen, stärken wir uns in einem Fischrestaurant. Da wir die Speisekarte nicht entziffern können, trauen wir uns an das Menü der Nachbarin, einem gekochten Kabeljau und an das Sushi, das vor uns zubereitet wird – eine ausnehmend gute Wahl. Während wir unseren Lunch genießen, verfolgen wir mit den anderen Gästen die Krönungszeremonie, die im Fernsehen übertragen wird.

Die Läden in den zauberhaften Gässchen bieten viel Schnickischnacki und vor allem viles aus Jeans.

Am Nachmittag stehen wieder Tempel auf dem Programm. Der schönste liegt wie oft oben auf einem Berg, man muss sich den Segen schwer erarbeiten. Am Tor zum Tempel wartet geduldig eine schier unendlich lange Schlange. Wir finden heraus, dass sie für den Segen anstehen, der ihnen indirekt heute vom Kaiser übermittelt wird. Passend zu der ganzen Feierlichkeit am heutigen Tag findet im Tempel gerade eine sehr traditionale Hochzeit statt.

Das Schlendern durch die Straßen und die vielen Eindrücke ermüden, der Kaffee aus den lokalen Röstereien hilft wieder munter zu werden. Den Sonnenuntergang genießen wir auf dem Tempelberg, den von dort hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt mit ihren vielen kleinen Dächern….

Danach ist die Stadt wie ausgestorben, die Läden machen fast alle um 17 Uhr zu und die meisten Touristen sind wieder auf dem Weg nach Kyoto oder Osaka.

Den Abend beschließen wir heute an der Hotelbar, da muss dann auch einmal der berühmte japanische Whiskey getestet werden.

23.10. Myajima                   Villa Myajima

23.10. Entspannung im Onsen

Myajima die Schreininsel ist heute unser Ziel. Berühmt ist sie für das große rote ,wie über dem Wasser schwebende, Tor vor dem Itsukushima-Schrein. Leider wird dies, für die im nächsten Jahr stattfindende Olympiade, gerade restauriert. Nach der Zugfahrt von Kurashiki über Okayama nach Miyajima-guchi, geht es bei schönstem Sonnenschein mit der Fähre auf die heilige Insel. Ich habe Glück , denn Frauen dürfen Miyajima erst seit dem 20. Jahrhundert betreten. An Land werden wir von den Rehen begrüßt die überall, angelockt von den vielen Touristen, gar nicht scheu umherstreifen.

Als erstes wagen wir uns an den Aufstieg des Mount Misen. Ein steiler, mit Treppen versehener Weg, führt immer an einem Bach entlang steil 550 Meter in die Höhe. Die hohe Luftfeuchtigkeit bringt uns ganz schön ins Schwitzen. Die Mühe wird durch eine gigantische Sicht belohnt.

Zurück nehmen wir den Weg vorbei am der Reika-do Hall. Als Erstbesiedler des Berges Misen gilt der buddhistische Mönch Kūkai,  der sich um 800 angeblich zum Beten für 100 Tage lang dorthin zurückzog. In der „Halle des nie verlöschenden Feuers“ (不消霊火堂, Kiezu no Reika-dō) unterhalb des Gipfels, brennt seitdem das von ihm entzündete Feuer.